Herzlich Willkommen auf dem Fest der Freien Schule Kreuzberg!

Zunächst möchte ich mich ganz herzlich Bedanken:
Beim Clash, welches uns den Raum zur Verfügung gestellt hat um diese Feier zu machen.
Bei den Menschen die sich in den letzten Tagen und Wochen mächtig ins Zeug gelegt haben dieses Fest auf die Beine zu stellen.
Vielen Dank an alle Gäste und Interessierten Menschen die heute hier sind.Und nicht zuletzt vielen Dank an die Kinder und Ihren Einsatz für dieses Fest, und dafür dass sie uns einen fraglosen Grund geben uns in einem Projekt wie der Freien Schule Kreuzberg zu engagieren.

Manchen mag es wundern, dass wir uns angesichts der aktuellen Situation zum Feiern entschieden haben:

Die Freie Schule Kreuzberg besteht seit 2006 in der Zeughofstrasse in Kreuzberg und ist eine staatlich genehmigte Ersatzschule. In den vergangenen sieben Jahren ist die Schule durch viele Höhen und Tiefen gegangen, es wurde viel investiert an Leidenschaft, Auseinandersetzung, und nicht zuletzt körperlicher Arbeit bis sich die Schule ihren Raum (im übertragenen wie im wörtlichen Sinne) geschaffen hatte und heute zu einer festen Institution in Kreuzberg geworden ist.

Zeitgleich hat in Kreuzberg eine Entwicklung stattgefunden, die wohl an niemandem vorbeigegangen ist. Berlin und ganze vorne dabei auch Kreuzberg ist zu einem äußerst attraktiven Lebensraum geworden (nicht zuletzt DURCH alternative Projekte wie die Freie Schule) und die vorhandenen Räume folgen dem Gesetzt von Angebot und Nachfrage. Davon ist auch die Freie Schule unmittelbar betroffen:

Das Gebäude in welchem die Schule ansässig ist wurde verkauft an die ESTAVIS AG die sich selbst „die Exit-Profis“ nennt und zum Ziel hat das Gebäude hochwertig zu sanieren und als Eigentumswohnungen gewinnbringend zu verkaufen.

Der Mietvertrag mit der Freien Schule wurde nicht verlängert. Inzwischen sind wir in unseren Räumen nur noch geduldet. Wie lange noch ist fraglich. Die Absprache ist: bis neue Räume gefunden sind.

Die Suche läuft auf Hochtouren und zwar nicht erst seit der Kündigung. Trotz aller Bemühungen aller Beteiligten unter Hochdruck ist es uns bisher nicht gelungen ein geeignetes Gebäude zu einem auch nur annähernd vergleichbaren Mietpreis zu finden. Die Quadratmeterpreise auf dem freien Markt sind für die Freie Schule Kreuzberg nicht mehr erschwinglich. Nicht, wenn sie die Privatschule mit dem niedrigsten Schulgeld bleiben will. Und das will sie, um auch in Zukunft kein Kind aufgrund des elterlichen Einkommens ausschließen zu müssen.

Unsere Hoffnung gilt den Gebäuden die sich noch in öffentlicher Hand befinden. Wir haben uns auf mehrere leerstehende Schulgebäude beworben, unterstützt von unserem Bezirksbürgermeister Dr. Schulz. Wir haben Kooperationsvorschläge mit anderen sozialen Einrichtungen wie einer Kita und einem Sportverein gemacht. Noch offen ist das Bewerbungsverfahren um das Schulgebäude an der Ohlauer Str., die ehemalige Gerhart Hauptmann Oberschule.

Wir hoffen, dass dieses Mal unserer Bewerbung der Vorzug gegeben wird vor der einer Schwarzlicht-Minigolfbahn wie im Verfahren um das Haus 1 im Görlitzer Park.

Gibt es wirklich einen Grund zu feiern?
Ja. Und ob! Wenn ich mich so umschaue gibt es durchaus genug zu feiern:

Wir haben Kinder die (in der Regel) gerne zur Schule gehen und sich selbst in Ihrem Umfeld positionieren können (Ihr habt sie ja eben auf der Bühne gesehen…) Kinder die einem als Sechsjährige sagen „wie soll man sich denn da fühlen wenn einen nie jemand Chef nennt“

Die Freie Schule setzt tagtäglich in kleinem Rahmen um, was spätestens seit der Pisa-Studie in allen Gazetten verhandelt wird und im ZDF zur besten Sendezeit läuft.

Ich weiss nicht wer es gesehen hat… Letzte Woche auf ZDF: Richard David Precht (man mag von ihm halten was man will…) und Hirnforscher Gerald Hüther sprechen über die Zukunft der Schule. Da wird gesprochen über unser anachronistisches Schulsystem aus Zeiten der Industriellen Revolution und geträumt von Lernen jenseits von reiner Wissensvermittlung in einem eingliedrigen Schulsystem, von „neuen“ Kompetenzen wie Empathie, Kreativität, Lust am Lernen, Begeisterungsfähigkeit und Selbstbewusstsein. Und das schau ich mir so an und denke: jawoll! Wir haben sie schon, die Potentialentfaltungscoaches von denen dort gesprochen wird. Und wir dürfen sie sogar Begleiter/innen nennen, oder einfach Tinita, oder Atti oder Mo.

Und natürlich fällt das alles nicht vom Himmel und man ist sich nicht ständig einig. Neue Wege gehen bedeutet auch immer Unsicherheit und Zweifel und manchmal ist einem gar nicht nach feiern zumute. Im Projekt Freie Schule Kreuzberg gibt es, glaube ich, für alle viel zu lernen, nicht nur für die Kinder. Aber auch wenn jeder darin ab und zu an seine eigenen Grenzen stößt, bleibt diese Schule ein Ort an dem genau das verhandelt werden kann und in klugen Auseinandersetzungen Lebensentwürfe entstehen können die andere Werte umfassen als Effektivität und Profit.

Über die letzten Jahre ist an dieser Schule ein tragfähiges soziales Netzwerk entstanden, das ich jeden Tag feiern möchte wenn ich aus irgendeinem Grund nicht um vier an der Schule sein kann und ein kurzer Anruf „ Katta, kannst du Joni mitnehmen?“ reicht und welches weit über die „Beschulung“ der Kinder hinausgeht.

Tja, und ich spreche immer von der Freien Schule Kreuzberg als ORT für Auseinandersetzung, und RAUM für Entfaltung …
Jetzt wäre es noch schön wenn es diesen ORT und diese RÄUME im sehr Konkreten Sinne auch gäbe damit das Projekt weiter wachsen und blühen kann.

Vielen Dank, dass Ihr da seid!

 

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